Positive Trauer

Nokan ist japanisch für die Kunst des Aufbahrens und ein traditioneller Trauerritus. Der gleichnamige Film, der 2009 den Oscar für den besten ausländischen Film erhalten hat, thematisiert die letzte Reise des Menschen. Takita nimmt sich für die Darstellung dieses Rituales mit 205 Minuten die Zeit um das Thema angemessen zu behandeln. In anderen Filmen wird das Thema Tod und Trauer sehr dunkel und unangenehm visualisiert. Nokan verwendet für den Trauerritus an sich stattdessen wohltemperierte Farben und abgestimmte Klänge. Der Tod an sich ist nicht das Problem welches Takita kritisiert sondern die Umstände unter denen er stattfindet.
Das saubere Ritual

Was von Anfang an herausgestellt wird ist die Reinheit und Perfektion des japanischen Bestattungsrituales. Jeder Handgriff ist genau geplant, folgt festen Strukturen und hat eine ganz bestimmte Bedeutung. Die “Waschung” ist bei dem buddhistisch inspirierten Ritual der Inbegriff des Ablegens vom weltlichen und dreckigen. Herausgestellt werden insbesondere die Wünsche der Hinterbliebenen. Es scheint so das dieses Ritual weniger für die Toten durchgeführt werden, sondern für die Familien und Angehörigen. Der Tote wird geschminkt und hergerichtet. Es soll das letzte Bild des Toten wahren, so wie er gelebt hat und nicht wie er gestorben ist, an das man sich erinnern will. Takita schafft es die Trauer positiv darzustellen.
Der unreine Beruf

Im Kontrast zu dem sauberen Ritual steht das öffentliche Ansehen der Bestatter. Während in Deutschland diesen Menschen mit größten Respekt gegenüber getreten wird scheint der Berufsstand in Japan mit Vorurteilen, Schande und Verachtung verbunden zu sein. Schwarze Schafe wie sie zum Ende von Nokan auftreten sind diesem Ruf auch nicht zuträglich. Es ist wahrscheinlich der Kontakt mit Toten der zu diesem Ansehen führt. Metaphorisch wird der “Gestank des Todes” bei der ersten Begegnung von Daigo mit einer Leiche behandelt. Obwohl sich der Bestatter gewaschen hat so ist der Geruch des Todes, des Endlichen auch für Aussenstehende wahrnehmbar. Es ist die Angst die mit diesem Sinn behaftet ist an die sie der Bestatter erinnert. Nur so lässt sich die Dankbarkeit nach dem Nokan erklären die die Hinterbliebenen empfinden. Nach dem Ritual sind die Vorurteile vergangen und die Trauer, in ihren verschiedenen Formen, steht im Vordergrund.
Der Tod zentriert das Leben

Auch Daigo hatte seine Vorurteile doch aus der Not und Unwissenheit heraus stellte er sich seinem neuen Beruf. Das “Schicksal” (ich glaube nicht an das Schicksal) führte dazu, dass er sich mit seiner Vergangenheit auseinandersetzen musste. Der Tod als Ende des Weges Anderer bedeutet für Daigo einen Neuanfang und Veränderung. Er fand eine neue Beziehung zu seiner Vergangenheit, der Musik und besonders zu seinem Vater. Dessen Tod stellt gleichzeitig das Ende von Nokan dar. Mit dem letzten Ritual im Film (ausgenommen der Abspann) schließt Daigo gleichzeitig auch seine Vergangenheit ab.